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Wie man ein Kind erzieht, ohne es zu tyrannisieren
29 Regeln für eine kluge Erziehung
von Rolf Arnold
172 Seiten
Carl-Auer-Systeme Verlag, 2011
ISBN 978-3-89670-777-2
Preis: 16,95 Euro (D) / 17,50 Euro (A)/ CHF 28,90

Tyrannen kann man nicht erziehen, nur stürzen - stellt Rolf Arnold fest. Diese Festlegung, so der Pädagoge, führt auf erzieherische Abwege. Denn die Frage, warum Kinder "Tyrannen" werden, ist weder neu noch hilfreich im Erziehungsalltag.

Arnold rät: Misstrauen sie allen Ratgebern, die Erziehungsfragen in einen größeren Zusammenhang wie z.B. "Wertverfall", "heutige Familienverhältnisse", "Computer- und Medienkultur" rücken. Solche Denkrichtungen führen nur dazu, dass Eltern sich selbst oder ihre Kinder als Opfer widriger Umstände wahrnehmen. Aber: Opfer kann man nicht erziehen. Wer sich selbst als Opfer sieht, blickt auf seine Kinder als Täter. In solchen Verbindungen kann keine Beziehung entstehen. Aber genau dies ist die Grundlage jeglichen Erziehungshandelns.

Auf diese Grundlage baut Rolf Arnold "29 Regeln der Erziehungsklugheit" für eine wirksame Erziehung auf. Vom Umgang mit Gewalt über die Vermittlung von Werten, Fragen nach Nähe und Distanz bis hin zum Thema Selbstüberforderungen und Überreaktionen reichen die Themen. In vielen Beispielen zeigt er, wie seine beziehungsgestaltenden Interventionen in Erziehungssituationen helfen, in denen sich Eltern und Lehrkräfte mit ihrer bisherigen Weisheit am Ende glaubten.

Eine seiner wichtigsten Erkenntnisse ist, dass Kindererziehung ohne wirkliche Beziehung zum Kind nicht möglich ist: "Erziehung ohne Beziehung ist wie Schwimmen ohne Wasser". Dies sollte sich jeder Pädagoge und auch Elternteil zu Herzen nehmen.
Aber auch die vielen kleinen Schritte, die Arnold in seinem Buch aufzeigt und die den Erziehungsalltag der Eltern und Lehrer leichter machen sollen, sind alltagstauglich. Er schildert u.a., was der Fünf-Finger-Check bei Sanktionen und Strafen ist, worin der Unterschied von adäquaten und äquivalenten Reaktionen besteht, und erklärt das Erziehungsmakroskop und den Erziehungsreflektor.

Das Buch lässt sich leicht lesen, ist theoretisch nicht überfrachtet und mit vielen persönlichen Erlebnissen des Autors versehen.

Fazit: Es tut gut, mit Hilfe des Buches einen veränderten Blick auf die uns anvertrauten Kinder zu bekommen. Denn nur so lässt sich unerwünschtes Verhalten leichter diagnostizieren, und wir lernen angemessen darauf zu reagieren.
Sehr empfehlenswert!

Prof. Dr. Rolf Arnold, Professor für Pädagogik; Wissenschaftlicher Direktor des Distance and Independent Studies Centre (DISC) an der TU Kaiserslautern; Verwaltungsratsvorsitzender des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung (DIE, Bonn) sowie systemischer Berater im nationalen und internationalen Rahmen (Schwerpunkte: Führungskräfte, Bildungssystementwicklung). Lehrtätigkeiten an den Universitäten Bern, Heidelberg und Klagenfurt sowie an der Pädagogischen Hochschule Luzern. Veröffentlichungen u. a.: Aberglaube Disziplin (2007), Ich lerne, also bin ich (2007)

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