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Für die Schule lernen wir
Plädoyer für eine gewöhnliche Institution
aus der Reihe 'Bildung kontrovers'
von Roland Reichenbach
144 Seiten
Klett-Kallmeyer (Seelze/Velber) 2013
ISBN 978-3-7800-4968-1
Preis: 16,95 Euro (D) / 16,40 Euro (A)

Die knapp 10 Seiten Literaturhinweise am Schluss des Buches deuten darauf hin, dass sich der Autor mit seinem Thema sehr intensiv beschäftigt hat: Mit der 'gewöhnlichen Institution Schule'.

Die Schule ist eigentlich eine Einrichtung, mit der wir leben müssen. Sie hat einen gewissen Zwangscharakter. Wir durchlaufen sie alle mehr oder weniger erfolgreich. Doch wie steht man zu ihr? Sieht man sie als Bildungsinstitution? Dient sie hauptsächlich zur Aufbewahrung der Schüler? Was ist bedeutsam an Schule und Bildung?

Roland Reichenbach beschreibt in seinem Buch den Ist-Zustand der heutigen Schulsituation und in und mit welchen Widersprüchen sie leben muss. Ihm geht es besonders um den pädagogischen Sinn der Schule, in der einen oder anderen Weise betreffend. Jedem der fünf Kapitel ist eine These oder Thesengruppe zugeordnet. Es wird sicher beim Lesen zu dem einen oder anderen erstaunten oder bestürzten Aufschrei kommen. Doch das ist gewollt. Der Autor möchte seine Leser dazu bringen, auch "anders" über die Schule nachzudenken, als es normalerweise üblich ist.

"Spätestens seit den alarmierenden Pisa-Studien steht das (deutsche) Bildungssystem unter massivem Reformdruck, der grundlegende Transformationsprozesse ausgelöst hat. Dabei werden an die Institution Schule sehr kontroverse Erwartungen im Hinblick auf ihre Funktion und ihre Aufgaben gerichtet.

In seinem Buch wendet sich der Autor gegen sachfremde oder von Einzelinteressen geleitete Vereinnahmungen der Schule und verteidigt sie als einen Ort, der junge Menschen zur gesellschaftlichen Teilhabe erziehen soll, und - nicht zuletzt - als einen Ort der Selbstbildung. Dabei unterscheidet er

pädagogische und außerpädagogische Aufgaben der Schule,

hebt die Bedeutung der Lehrerinnen und Lehrer als Personen hervor und

betont die für den gesellschaftlichen Zusammenhalt fundamentalen Leistungen von Unterricht, Erziehung und Bildung, die mitunter auch in der pädagogischen Theorie häufig nicht (mehr) bedacht werden."

Inhalt (ohne Untertitel):
Vorbemerkungen
Einleitung: Schule - eine geschwächte Institution?
1. Lernen im Kollektiv
2. Zur Personalität des Lehrens
3. Der unklare Erziehungsauftrag
4. Zur demokratischen Dimension der Schule
5. Schule als Ort des Tausches und der Täuschung
Ausblick: Bildung als Horizont - drei Variationen zu einem alten Thema

Dieses handliche Buch sollte gerade für Studierende und Lehrer von besonderem Interesse sein. Sind sie doch diejenigen, die noch einiges in der Institution Schule ändern und bewirken können.

Fazit: Ich empfehle diese Buch allen Lehrern und zukünftigen Pädagogen, die an Schule und ihren Reformen - wie auch immer - interessiert sind.

Roland Reichenbach ist seit 2013 Professor für Allgemeine Erziehungswissenschaft an der Universität Zürich, er war 2002-2008 Professor für Allgemeine und Systematische Erziehungswissenschaft, Universität Münster; 2008-2012 Professor für Pädagogik, Universität Basel. Seine Forschungs- und Interessenschwerpunkte betreffen die Pädagogische Ethik, die Bildungsphilosophie, die Politische Bildung sowie Verhandlungs- und Einigungsprozesse. Er ist Autor zahlreicher Bücher über Bildungsthemen und Bildungsprozesse.

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