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Der alte Schäfer
von Géraldine Elschner
Illustriert von Jonas Lauströer
Format: 24 x 29,3 cm
32 Seiten
michael neugebauer edition, 2011
ISBN : 978-3-86566-142-5
Preis: 12,95 Euro (D) / 13,40 Euro (A)

Der Ort der Handlung dieser Geschichte für Kinder ab etwa 5 Jahre ist sehr ungewöhnlich: Es geht um ein Erlebnis in einem Altersheim. Ich finde es sehr begrüßenswert, dass die Autorin sich dem Thema widmet, welche Geschehnisse in solchen Einrichtungen vorkommen können und welche Empfindungen die dort wohnenden Seniorinnen und Senioren  haben. Viele Kinder haben sicherlich keinerlei Vorstellungen darüber.

Oft prägen Einsamkeit, Teilnahmslosigkeit und Traurigkeit den Alltag der Bewohner, da sie keine Aufgabe mehr haben und keine Anerkennung mehr finden. Da wünscht man sich, dass etwas - wie in diesem Buch - Außergewöhnliches passiert, was die Stimmung der Senioren aufhellt und das Leben wieder lebenswert macht.

Zum Inhalt:
Zu gerne besucht Anton seinen Großvater jede Woche im Altersheim. Aber dabei muss er immer an dem „Drachen“ vorbei, einem mürrischen alten Mann, der nur schimpft oder abwesend in die Ferne schaut.
Anton hat Angst vor ihm. Doch dann erfährt er, dass der „Drache“ früher Hirt war und Schafe über alles liebt. Genau wie Anton, dessen Lieblingsplüschtier namens Olaf ein kuscheliges Lämmchen ist. Als Anton beim nächsten Besuch Olaf mitbringt, passiert etwas Wunderbares ... Der mürrische, alte Mann sieht das Schäfchen, erwacht aus seiner Lethargie und fängt sogar an, freundlich zu sprechen.
Da bekommt Anton eine Idee: Er geht zur Direktorin und sorgt dafür, dass es nicht nur bei einem Spielzeug-Schaf bleibt. Die echten und sehr lebendigen Schafe namens Suzi, Lili und Pedro ziehen in den Garten des Altersheims. Das freut nun nicht nur den alten Hirten, der wieder einen Lebensinhalt hat, sondern auch die übrigen Heimbewohner. Und Anton bringt sogar noch seine Freunde mit. Da ist im Heim auf einmal richtig was los und alle freuen sich.

Die Geschichte ist sehr warmherzig geschrieben. Selbst jüngere Kinder bekommen ein Gespür dafür, was in älteren Menschen vor sich geht, wenn sie keine Aufgabe mehr haben. Hin und wieder uneigennützig an andere denken, auf sie zugehen und für sie etwas tun - das ist die Botschaft an die jungen Zuhörer oder Leser, die sich durch das Buch zieht. Und sie kommt bei Kindern an. Da bin ich mir sicher.

Die Illustrationen von Jonas Lauströer passen mit ihren ausdrucksstarken und warmen Farben wunderbar zu dem Inhalt des Buches. Die zeichnerisch exzellent getroffene Mimik und Gestik der dargestellten Personen vermitteln ein sehr gutes Bild von deren unterschiedlichen Stimmungen und Gefühlen.

Die Geschichte beruht auf einem wahren Ereignis. In einem Altersheim in Bayern wurden tatsächlich Kamerunschafe eingeführt, um einem unruhigen Bewohner neue Lebensfreude zu bringen (www.wohnen-am-kreuzberg.de). Fünf Tiere leben dort in einem kleinen Stall und sind seitdem beliebte Begleiter aller Heimbewohner.

Hier kann man das Bilderbuch anschauen und durchblättern:
www.minedition.com/de/book/200/

Fazit: Ein wunderbares Bilderbuch, das vermittelt, wie wichtig es ist, Anteilnahme, Mitgefühl und Initiative zu zeigen, um anderen Menschen zu helfen. Sehr empfehlenswert!

Géraldine Elschner liebt sanfte, stille Geschichten, die von innen heraus eine große Kraft entwickeln. 1954 in Frankreich geboren, studierte sie Germanistik und Romanistik und ließ sich zur Bibliothekarin mit Schwerpunkt „Kinderliteratur“ ausbilden. Seit Jahren übersetzt sie mit Begeisterung Kinderbücher – inzwischen sind es über 150. Erste kritische Leser sind dabei ihre drei Kinder, die auch viele Ideen für eigene Geschichten beisteuern. Géraldine Elschner lebt in Heidelberg.

Jonas Lauströer studierte an der Hamburger Hochschule für angewandte Wissenschaften Design mit dem Schwerpunkt Illustration. Seit 2006 malt und zeichnet er freiberuflich unter anderem für den Spiegel, Gruner Jahr, das Greenpeace Magazin und Kinderbuchverlage. Für seine Arbeiten erhielt bereits mehrere Auszeichnungen, unter anderem den 1. Platz beim Spiegel-Wettbewerb.

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