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Mama, Mia und das Schleuderprogramm
Kindern Borderline erklären
von Christiane Tilly u. Anja Offermann
Illustrationen: Annika Merten
40 Seiten
BALANCE buch + medien verlag, 2012
ISBN 978-3-86739-075-0
Preis: 12,95 Euro (D)

Das Bilderbuch ist großartig,...  wenn man bedenkt, was das behandelte Thema für eine schwere Kost ist.

Wie erklärt man Kindern die psychische Erkrankung eines Elternteils auf angemessene Weise? Das ist reichlich kompliziert, fehlen einem doch meist die passenden Worte. Denn man will nicht zuviel und nicht zu wenig sagen.

Häufig fühlen sich Kinder schuldig an der entstandenen Situation, sind verunsichert und haben große Ängste. Sie suchen nach Erklärungen für das Verhalten des Erwachsenen und fühlen sich oft allein gelassen. Wir als Erzieher, Lehrer oder Therapeuten sind es den betroffenen Kinder in ihrer Not schuldig, ihnen zu helfen. Doch wie?

Der BALANCE buch + medien verlag hat mit seiner neuen Reihe "Kindern psychische Erkrankungen erklären" diese Lücke für die Arbeit der Erzieher und Therapeuten in beispielhafter Form geschlossen. In dem vorliegenden Buch "Mama, Mia und das Schleuderprogramm" wird auf eine altersgemäße Art die Borderline-Erkrankung den Kindern verständlich gemacht. Der Text geht auf das für sie häufig unverständliche Verhalten des Kranken ein und erklärt mit einfachen Worten, dass niemand eine Schuld an der Situation hat.

Mia ist 8 Jahre und versteht ihre Mutter manchmal gar nicht. Immer muss sie telefonieren, ist traurig und tut sich dann auch noch weh! Gut, das es die Katze Yuki und Frau Schröder vom Kiosk gibt, hier bekommt sie Anteilnahme und Verständnis. Doch was ist eigentlich mit Mama los?
Da erklärt ihr Mamas Ärztin folgendes:
»Bei deiner Mama wirbeln ganz viele Gefühle und Gedanken, Ängste und Wünsche in ihr herum. So wie bei einer Waschmaschine. Erst wenn die Waschmaschine still steht, kann man die einzelnen Teile auseinander halten, sortieren und auf die Leine hängen. So ist das mit den Gefühlen auch. Jedenfalls bei der Krankheit, die deine Mama hat.« Und das versteht Mia nun sehr gut. Auch wird ihr erklärt, was Mama tun muss, damit es ihr besser geht. Und als danach noch eine Dame vom Jugendamt kommt und genau den Traum erfüllt, den Mia schon lange hatte, fühlt sie sich verstanden und ist glücklich.

Die ausgezeichneten Bilder geben mit ihren gedeckten Farben genau die Stimmung wieder, in der sich Mia und ihre Mutter befinden: Mal ist alles prima, dann wieder ist die Stimmung gedrückt, weil es Mama nicht gut geht.

Zum Schluss der Buches gibt es für den Erwachsenen noch weitere Informationen über die Borderline-Persönlichkeitsstörung und eine ausführliche Liste von Webseiten für Betroffene.

Fazit: Ein gelungenes Mutmachbuch und sehr empfehlenswert für Kinder ab 5 Jahre, um die Borderline-Erkrankung zu erklären.

Christiane Tilly ist Ergotherapeutin, Diplom Pädagogin und STEPPS Lehrtrainerin, Jg. 1970, veröffentlichte bereits Texte in "Irrwege, eigene Wege" und "Leben auf der Grenze. Erfahrungen mit Borderline". Darüber entstand der Kontakt zu Andreas Knuf, der dann zur Zusammenarbeit an "Borderline: Das Selbsthilfebuch" führte.

Anja Offermann arbeitet als Dipl.-Sozialarbeiterin in der ambulanten Erziehungshilfe Bielefeld mit Borderline-Patientinnen und Borderline-Patienten.

Siehe auch:
http://anika-merten.de/

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