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Ernest und Célestine
Célestines Fragen
von Gabrielle Vincent
Aus dem Französischen von Christel Rech-Simon und Heidi Varin
42 Seiten
Carl-Auer-Systeme Verlag Heidelberg, 2013
ISBN 978-3-89670-882-3
Preis: 19,95 Euro (D) / 20,60 Euro (A)

Die nostalgischen Bilderbücher über den Bären Ernest und die Maus Celestine gab es auch schon in der Version "Mimi und Brumm". Vielleicht hat noch jemand eines der Bücher, die inzwischen bereits über 30 Jahre alt sind.

Nun hat der Carl-Auer-Systeme Verlag ein Buch aus dieser Reihe von Gabrielle Vincent zu einem sehr speziellen Thema herausgebracht. Es geht um Pflege- und Adoptivkinder und deren Herkunft. Das heikle Thema wird von betroffenen Eltern gern gemieden. Aber Kinder sind sehr sensibel und spüren meist, dass ihnen etwas verschwiegen wird.

Ernest, der Bär, und Célestine, die kleine Maus, leben schon lange zusammen. Aber die Maus hat das Gefühl, dass das nicht immer so war. Eines Tages möchte Célestine wissen, wo und wie sie geboren wurde. Diese Frage bringt den Bären in Verlegenheit. Ernest ist hin- und hergerissen: Er hat Angst, Célestine mit der Wahrheit zu verletzen, möchte sie aber auch nicht anlügen. Letzten Endes finden die beiden einen Weg, wie Célestine die wahre Geschichte erfahren kann.

Beeindruckend ist, dass Célestine, nachdem sie sich bewusst ist, dass etwas anders bei ihr ist, die ihr erzählte Geschichte im Kopf erneut erlebt und wiederholt. Und als sie anschließend im Spiel die Ereignisse nacherlebt - mit all den bedrohlichen Gefühlen, die für ein Verarbeiten notwendig sind - stellt sich heraus, dass nun bereits eine gewisse Distanz vorhanden ist. Im nächsten Schritt geht es um das Aufsuchen der realen Orte des Geschehens und damit zur Befriedung des Konflikts.

Das Lesen bzw. Hören der Geschichte weist viele Merkmale des Prozesses auf, der auch in einer Kindertherapie abläuft.

Auf den letzten Seiten des Buches gibt es von Christel Rech-Simon (Analytische Kinder- und Jugendlichentherapeutin) sehr gute Hinweise für Eltern, Erzieher und alle anderen Vorleser, wie mit dem Buch und der Geschichte umzugehen und was auch zu beachten ist.

Viele kleine und große aquarellartige Bilder mit wenig Text geben hervorragend die Stimmungen der beiden Hauptfiguren wieder. Man spürt die Ängste, die Unruhe, aber auch die wunderbare Beziehung zwischen Ernest und Célestine, die getragen wird von tiefem Vertrauen.

Dieses Buch eignet sich insbesondere für Eltern, die mit diesem Problem konfrontiert werden: Wie sag' ich's meinem Kinde? Mit Hilfe des Buches lässt sich ein guter Weg finden, die ersten Schritte zu tun.

Fazit: Ein Bilderbuch für Eltern und Therapeuten von Pflege- und Adoptivkindern. Sehr empfehlenswert!

Gabrielle Vincent (1928–2000) gehört zu den bekanntesten Bilderbuchkünstlerinnen im französischsprachigen Raum. Nach ihrem Studium an der Akademie der Schönen Künste in Brüssel war sie als freischaffende Malerin, Illustratorin und Autorin tätig. Sie illustrierte und schrieb unzählige Kinderbücher, darunter die Reihe „Ernest und Célestine“, die mehrfach ausgezeichnet und in viele Sprachen übersetzt wurde.

Weiter Bücher von Gabrielle Vincent:
Ernest und Celestine suchen Simon ISBN 978-3-939944355
Weihnachten bei Ernest und Celestine ISBN 978-3-939944171

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