SKG-Forum

 

 

Die Webseite für LeiterInnen von Schulkindergärten
von Marianne Broglie, Diplom-Sozialpädagogin
E-Mail an SKG-ForumHauptseiteWortsuche

 

Zurück zu 'Rezensierte Titel von A - Z'
Zurück zur Buchauswahl

Ganz die Mutter
von Roddy Doyle
Mit Illustrationen von Freya Blackwood
Aus d. Englischen v. Christel Rech-Simon
aus der Reihe "Carl-Auer Kids"
39 Seiten
Carl-Auer Verlag, 2014
ISBN 978-3-8497-0029-4
Preis: 19,95 Euro (D) / 20,60 Euro (A)

Infos zur Reihe "Carl-Auer Kids":
Gute Kinderbücher zeichnen sich häufig dadurch aus, dass sie auch eine therapeutische Komponente haben. Geschichten helfen Kindern zum Beispiel, Angst auslösende Situationen zu bewältigen, indem sie seelische Vorgänge „externalisieren“ und so aus der Distanz beobachtbar machen.
Für das Programm des Carl-Auer Verlags stellen solche Bücher eine wertvolle Ergänzung dar – sei es als „Begleitlektüre“ zur therapeutischen Arbeit mit Kindern, sei es als niederschwellige „Therapie ohne Krankenschein“. Herausgeberin Christel Rech-Simon ist Analytische Kinder- und Jugendlichentherapeutin und arbeitete zunächst in der Anstaltspsychiatrie, danach in eigener psychotherapeutischer Praxis.

Der Verlust eines Elternteils ist für Kinder immer ein schwer zu verkraftendes Erlebnis. Dieses Buch kann dazu beitragen, mit Traurigkeit oder gar Ängsten besser umgehen können.

Ergänzende Hinweise der Kinder- und Jugendtherapeutin Christel Rech-Simon am Ende des Buches erläutern, welche Bedeutung "heilende Geschichten" für Kinder haben und welch positiven Einfluss ein Buch wie "Ganz die Mutter" bei ihnen ausübt.

Anfangs erleben wir Hanna in diesem Buch als 10-jähriges Mädchen, dass sich hauptsächlich an die Hände ihrer Mutter erinnern kann, aber nicht an ihr Gesicht. Denn sie war noch sehr klein, als sie ihre Mutter verloren hat. Das macht sie sehr traurig. Auch ihr Vater trauert um den Verlust, doch er ist nicht in der Lage, darüber, was mit der Mutter geschehen ist, zu sprechen. So bleiben beide allein mit ihrer Trauer. Hanna funktioniert nach außen hin, wirkt fröhlich und wird von ihren Mitschülern gemocht. Doch innerlich ist sie sehr unglücklich.
Erst durch das Erlebnis mit einer unbekannten Frau im Park bekommt sie die Botschaft, ja einen Rat, der sie erkennen lässt, dass sie im Spiegel nicht nur sich selbst, sondern auch immer wieder ihre eigene Mutter sieht.
Mit den Jahren - mittlerweile wird sie im Buch immer älter und bekommt bald selbst eine Tochter - holt sie durch den wiederholten Blick in den Spiegel die verlorene Erinnerung und das verblasste Bild ihrer Mutter für sich zurück. So kann sie wieder eine Beziehung zu ihr herstellen und den Verlust überwinden.
Doch nicht nur für Hanna gibt es eine positive Entwicklung, sondern auch für den Vater wird ein Stück Trauerarbeit möglich. Durch eine besondere Wendung in der Geschichte werden bei ihm Erinnerungen unterschiedlichster Art ausgelöst, die er dann mit Tochter und Enkeltochter teilen kann.

"Alles wird gut, mit der Zeit, früher oder später, und manchmal auch mit Hilfe eines kleinen Wunders, für das Platz gelassen wurde" (Christel Rech-Simon).

Das Buch ist auch auf italienisch, portugiesisch (Brasilien), japanisch und koreanisch erschienen.

Die Seiten enthalten zwar jeweils viel Text, doch da auf mindestens jeder zweiten Seite eine ganzseitige Illustration zu sehen ist, kann man "Ganz die Mutter" sehr gut als Bilderbuch betrachten. Insgesamt wirken die in lichten Aquarelltönen gehaltenen Bilder gedämpft fröhlich und sehr schön.

Ich empfehle dieses Buch für Kinder ab 6 Jahre. Es eignet sich sowohl für zu Hause, für die Schule, aber auch für die therapeutische Praxis.

Fazit: Berührend, tröstend, kindgerecht. Sehr empfehlenswert!

Roddy Doyle, geboren in Dublin, ist einer der bekanntesten und am meisten gefeierten irischen Autoren des späten 20. Jahrhunderts, der u. a. den Booker Prize für seinen Roman „Paddy Clark Ha Ha Ha“ erhielt. Drei seiner Romane wurden von Alan Parker und Stephen Frears verfilmt.

Freya Blackwood wurde in Schottland in eine künstlerisch begabte Familie geboren und lebt heute in Orange, New South Wales, Australien. Für die „Herr der Ringe“-Filme arbeitete sie als Prothetik-Maskenbildnerin.

Zurück zur Buchauswahl
Zurück zu 'Rezensierte Titel von A - Z'