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Papas Seele hat Schnupfen
von Claudia Gliemann
mit Illustrationen von Nadia Faichney
62 Seiten, Hardcover
MONTEROSA Verlag, Karlsruhe 2014
Preis: 19,80 Euro (D)
ISBN: 978-3-942642-06-0

Claudia Gliemann hat vor einigen Jahren den MONTEROSA Verlag gegründet. Themenschwerpunkt ihrer mittlerweile sehr erfolgreichen Bücher sind Kinder in schwierigen Lebenssituationen.

Im eigenen Verlag hat sie als Autorin nun ihr neuestes Buch herausgebracht. Es behandelt die Depression in der Familie aus der Sicht eines Kindes.

Neles Zuhause ist der Zirkus. Ihre Familie zählt zu den besten Seilartisten der Welt. Schon seit Generationen. Doch dann wird Neles Papa krank. Seine Seele bekommt Schnupfen. Und das in einer Welt, in der alles bunt und fröhlich ist und man eigentlich glücklich sein könnte. Neles Papa, der immer so stark war, wird schwach. Vor Neles Augen – und vor den Augen der ganzen Welt.
Nele schämt sich für ihren Papa. Sie ist wütend. Er tut ihr leid, und sie fragt sich, was wohl ihre Freunde denken und ob sie sie noch mögen werden. In ihre heile Welt ziehen Schatten ein. Sie hat viele Fragen, auf die sie keine Antworten weiß. Ihre Mama will sie nicht fragen, weil sie auch schon so traurig ist. Oma und Opa sind weit weg. Zum Glück gibt es den Dummen August, der Nele erklärt, warum ihr Papa so traurig ist und dass auch die Seele Schnupfen haben kann und dass alles seine Zeit braucht. Gemeinsam mit der Zirkusfamilie erlebt Nele, dass es ihrem Papa manchmal besser und schlechter geht, aber er gibt nicht auf, und durch die Krankheit entdeckt er plötzlich Fähigkeiten, die ihm vorher gar nicht so bewusst waren.

Ein Buch zu einem schwierigen und traurigen Thema, das trotzdem nie düster ist, sondern eingehüllt in ein warmes, sattes Blau, mit einer positiven Farbe am Ende: einem Picknick im Grünen mit einem warmen Herbstsonnengelb.

Entstanden ist dieses Buch in Zusammenarbeit mit der Deutschen Depressions-Liga e.V. und wird empfohlen von der AOK.

Auszeichnungen:

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DGPPN-Antistigma-Preis“ 2015 – Förderpreis zur Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen (Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde)

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„THE BEAUTY AND THE BOOK AWARD 2015“ der Frankfurter Buchmesse und Stiftung Buchkunst

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Empfehlungsliste Nachwuchspreis für Kinder- und Jugendliteratur der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur e.V.

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Ausgezeichnet als „Kinderbuch des Monats April 2015“ von der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur e.V.

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Longlist der „Schönsten deutschen Bücher 2015“, verliehen von der Stiftung Buchkunst für Bücher, die vorbildlich sind in Gestaltung, Konzeption und Verarbeitung

Meine Meinung:
Ich habe selten ein Buch in der Hand gehabt, dass so engagiert, aber auch so realistisch mit diesem sensiblen Thema umgeht. Der Text ist gefühlvoll und kindgerecht. Er verdeutlicht, wie schwierig es für Kinder ist, mit der - in diesem Fall seelischen - Krankheit eines Elternteils fertig zu werden. Betroffene Kinder finden sich in der Geschichte wieder. Sie fühlen sich verstanden und ermutigt.

Besonders empfehlenswert ist das Buch nicht nur für betroffene Familien, sondern auch für Therapeuten und Pädagogen. Sie können dazu beitragen, angemessene Aufklärung und Entstigmatisierung zu betreiben. Gerade Kinder mit einem kranken Elternteil benötigen viel Verständnis und sollten keine Schuldgefühle entwickeln (müssen). Depressionen können jeden treffen.

Die gelungene Verbindung von Text mit ansprechenden Illustrationen ist besonders erwähnenswert. Nadia Faichney hat mit ihren Bildern die wechselhafte Welt von Nele wunderbar wiedergegeben: Sowohl die Düsternis der Krankheit als auch die unbelastete Zeit davor und danach.

Fazit: Gefühlvoll, realistisch, Mut machend, kindgerecht. Sehr empfehlenswert!

Claudia Gliemann arbeitete 15 Jahre als Kinderbuchübersetzerin und hat über 50 Bücher aus dem Englischen ins Deutsche übertragen, bevor sie im Jahre 2010 ihren eigenen Kinderbuchverlag gründete: MONTEROSA. Zu ihren weiteren Büchern zählen "Ohne Oma", das 2013 auf die Empfehlungsliste der vom Deutschen Ärztinnenbund verliehenen Silbernen Feder gesetzt wurde, sowie "Paula ist glücklich", das von der Stiftung Lesen empfohlen und bereits ins Koreanische und Spanische übersetzt wurde.

Hier sind einige Seiten das Buches zu sehen.
 

Weitere Informationen:

https://www.socialnet.de/rezensionen/18622.php

http://literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=21441&ausgabe=201512

www.frnd.de/interview-mit-claudia-gliemann/

www.monterosa-verlag.de

www.depressionsliga.de


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