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Im Gefängnis
Ein Kinderbuch über das Leben hinter Gittern
von Thomas Engelhardt u. Monika Osberghaus
Illustratorin: Susann Hesselbarth
96 Seiten, gebunden, durchgängig farbig bebildert
Format 17 cm × 24 cm
Empf. Altersangabe: Ab 8 Jahre
Klett Kinderbuch, 2018
ISBN 978-3-95470-186-5
Preis: 14,00 Euro (D) / 14,40 Euro (A)

Sinas Papa muss ins Gefängnis. Er hat etwas Schlimmes getan und muss nun dafür geradestehen. Sina versteht das alles nicht. Sie hat keine Ahnung von dem Ort, an dem ihr Papa jetzt lebt. Für Kinder wie sie ist dieses Buch. Aber auch für alle anderen. Denn das Gefängnis ist ein Ort, von dem jeder weiß, dass es ihn gibt, den aber kaum jemand kennt. Ein schlimmer und ein interessanter Ort.

Vom ersten Tag an begleiten wir Sinas Papa. Wir erfahren alles über den Alltag hinter Gittern: Was es dort zu essen gibt, wer dort alles lebt und arbeitet, wie ein Haftraum aussieht, was die Gefangenen den ganzen Tag lang machen. Und wie es ist, wenn man wieder rauskommt.
Susann Hesselbarths lebhafte Illustrationen vermitteln einen Eindruck jenseits der gängigen Klischees.

Wie ist es im Gefängnis? Ein spannendes Buch, das kindgerecht antwortet.

Es ist der Ort, den man nicht kennt, der im Verborgenen liegt. Doch jeder weiß, dass es ihn gibt. Wie häufig erleben wir Kinder, die "Im Gefängnis sein" spielen. Doch wie ist es wirklich dort? ...Dieses Buch gibt nun eine Antwort darauf.

Wenn man bedenkt, dass es rund 100.000 betroffene Minderjährige gibt, die einen Angehörigen im Gefängnis haben, dann sollte sich jeder Pädagoge überlegen, ob nicht auch eines dieser Kinder in seiner Klasse bzw. in seiner Gruppe ist. Ich habe es schon in meinem Berufsleben erfahren, wie ein Kind sein Leben unter diesen Umständen einrichten muss. Erst kam der Gefängnisaufenthalt des Vaters, später der offene Vollzug. Dieses Buch kann betroffenen Kindern eine Hilfe sein, Informationen zu bekommen. Denn gesprochen wird darüber meist nicht.

U.a. werden folgende Themen in diesem Sachbilderbuch kindgerecht erläutert:
Warum gibt es das Gefängnis oder die JVA, wie es heute meist heißt?
Wer kommt ins Gefängnis?
Wer arbeitet im Gefängnis?

Die Geschichte:
Sinas Vater Robert ist spielsüchtig und hat viele Schulden gemacht. Aus Verzweiflung hat er eine Tankstelle überfallen. Der junge Leser erfährt, wie ein Gerichtsverfahren abläuft und dass oft noch einige Zeit vergeht, bevor jemand seine Gefängnisstrafe antreten muss. Sina darf ihren Vater nicht zum Gefängnis begleiten. Robert muss seine eigene Kleidung abgeben und bekommt Anstaltskleidung. Er darf nur bestimmte Dinge in seinen Haftraum mitnehmen. Auf zwei Doppelseiten sind die Sachen zu sehen, die er mitnehmen darf, und auch die Dinge, die nicht in seinen Haftraum dürfen.

Sehr detailliert erfahren wir im Buch, wie das Gefängnis aufgebaut ist, wie ein Häftling seinen Tag zubringt und wie ein Besuchstag der Angehörigen aussieht. Als Robert später in den offenen Vollzug kommt und wieder arbeiten darf, wird es einfacher. Sogar Hafturlaub bekommt er.

Gefühle spielen eine große Rolle in der Geschichte. Da ist Sinas Oma, die sauer auf Robert ist, weil er das seiner Familie angetan hat. Da ist Sina, die stolz auf ihren Papa ist, weil er seine Tat ohne wenn und aber zugegeben hat. Aber sie ist auch traurig, weil sie ihn vermisst.

Auf vielen Seiten steht unten eine Zahl: Z.B. noch 688 Tage, noch 381 Tage, noch 215 Tage. So erfahren wir, wie lange die Haftzeit von Robert noch andauert.

Wieso? Weshalb? Warum? Alles wird erklärt. Mit den vielen farbigen Illustrationen ist es ein Buch, dass Schulkinder, die bereits eine gewisse Lesefertigkeit erworben haben, fesselt. Ich empfehle das Buch für Kinder ab Mitte des 2. Schuljahres.
Doch auch zum Vorlesen eignet sich das Buch, denn es hat ja nicht nur Infos, sondern bietet auch eine spannende Geschichte.

Eine Leseprobe gibt es hier.

Fazit: Alles über das Gefängnis, viele Informationen spannend verpackt. Sehr empfehlenswert für die Klassen- und Schulbücherei!

Thomas Engelhardt u. Monika Osberghaus, beide Jahrgang 1962, leben und arbeiten zusammen in Leipzig. Hauptsächlich kümmern sie sich um den Klett Kinderbuch Verlag. Daneben schreiben sie als Meyer/Lehmann/Schulze die Bücher rund um die "Wilden Zwerge" und die "Wilden Schulzwerge".
Monika Osberghaus arbeitete als Buchhändlerin, studierte Kinderliteratur und betreute jahrelang die Kinderbuchseiten der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Für die dtv-Reihe Hanser schrieb sie die beiden Kinderliteratur(ver)führer »Was soll ich denn lesen?« und »Schau mal!«. Heute ist sie die Verlegerin von Klett Kinderbuch. Sie lebt mit Mann und Sohn in Leipzig.

Susann Hesselbarth, Jahrgang 1964, absolvierte zunächst eine Maurerlehre, bevor sie an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst studierte. Sie illustriert Schul- und Kinderbücher und lebt mit ihrer Tochter in Markkleeberg bei Leipzig. Das von ihr illustrierte Kinderbuch »Warum heißt das so?« wurde 2010 in Österreich als bestes Junior-Wissenschaftsbuch des Jahres ausgezeichnet.

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