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Der Junge im Rock
von Kerstin Brichzin
Illustrator: Igor Kuprin
Format: 24 cm x 29,3 cm
32 Seiten
minedition, 2018
ISBN: 978-3-86566-328-3
Preis: 13,95 Euro / 14,40 Euro (A)

„Du siehst aus wie ein Mädchen", „Das ist falsch, was du anhast", rufen ihm die Kinder in der neuen Kita zu. Sie grenzen ihn aus, hänseln ihn.

Jungs tragen keine Röcke. Jungs tragen dunkle Farben, Power-Ranger-T-Shirts und spielen mit Baggern. Röcke sind für Mädchen, genau wie Rosa und Prinzessin Lillifee. So vermittelt es zumindest unsere Gesellschaft und ist damit äußerst erfolgreich: Es gibt klare Vorstellungen davon, was männlich und was weiblich ist und wer was anziehen soll.

Ich war fast geneigt, dieses Bilderbuch in die Rubrik der Problembilderbücher einzuordnen, doch ist ein 'Junge im Rock' ein Problem?

Felix ist ein Junge und er liebt Röcke. Er kann damit viel besser springen und klettern und sie zwicken nicht an den Beinen. Außerdem bekommen seine Beine viel Luft. Gut, das er eine Schwester hat, die ihn damit versorgt.
Doch eines Tages bekommt er auch einen eigenen roten Rock. Seine Mama war mit ihm Einkaufen. Die Verkäuferin im Laden ist irritiert. Aber Felix ist glücklich. Doch dann zieht die Familie von der großen in eine kleine Stadt um. Dort geht Felix in einen neuen Kindergarten und als Felix mit seinem Rock erscheint, lachen ihn die Kinder aus. Sie wollen ihn auch nicht mehr mitspielen lassen. Und die Erwachsenen: "Das ist nicht richtig und unanständig", tuscheln die Eltern der Kinder, "nur schlechte Eltern erlauben so was."
Die Folge: Felix ist traurig. In den Kindergarten mag er nun nicht mehr gehen. Doch es gibt einen unkonventionellen wunderbaren Papa in dieser Geschichte. Der kauft sich ebenfalls einen Rock und spaziert mit seinem Sohn durch die Stadt. Klar, die Leute schauen und tuscheln. Na und? Eine Frau sagt zu Felix' Papa: "Sie tragen ja einen Rock, das geht doch nicht!" Und er antwortet: "Sie doch auch." Papa lächelt nur.
Nach diesem Erlebnis geht es Felix wieder besser, und er entschließt sich, wieder in den Kindergarten zu gehen - mit Rock. Und er kann nun im Rock auch viel besser springen und klettern. Nichts stört und zwickt an seinen Beinen. Er ist glücklich!

Wenn es gelingt, mit diesem Buch wenigstens ein Kind (Jungen) zu ermutigen, dass zu tun, was er oder sie immer schon gern machen wollte, wäre es ein gewaltiges Glück. Mut zum Anderssein, das ist es, was dieses Buch vermitteln will. Aber auch der Wunsch, das die anderen Toleranz zeigen gegenüber diesem Anderssein.

Mit dieser tollen Geschichte wird man so richtig "mit der Nase drauf gestoßen", was Intoleranz auslösen kann. Jedes Kind wird es verstehen. Die Gefühle von Felix sind sehr gut nachvollziehbar.

Die großformatigen Illustrationen sind hervorragend für die Betrachtung in der Gruppe geeignet. Bereits Kinder ab 4 Jahre werden die Botschaft verstehen und auch für Grundschulkinder bietet das Buch eine gute Gesprächsgrundlage.

Fazit: Eine Geschichte über Toleranz und wünschenswerten Respekt den anderen gegenüber. Sehr empfehlenswert!

Kerstin Brichzin kletterte während ihrer ersten Lebensjahre am Stadtrand von Eilenburg gern auf Obstbäume oder rannte mit Herzklopfen durch den Kuhstall hinterm Haus. Ihr Lieblingsbuch war „Max und Moritz“. Später zog ihre Familie ins Erzgebirge. Dort folgten zahlreiche Nächte mit leidenschaftlichem Lesen unter der Bettdecke. Sie studierte Unterstufenlehrerin, arbeitete als Lehrerin und Erzieherin im Hort. Nach der Wiedervereinigung schloss sie eine Ausbildung zur Staatlich anerkannten Erzieherin und pädagogischen Kunsttherapeutin ab. Nach längerem Aufenthalt in Saudi Arabien und der Arbeit an der Deutschen Schule in Riad ist die dreifache Mutter nun als Erzieherin in einer Kölner Kindertagesstätte tätig.

Igor Kuprin hat für verschiedene Magazine und Verlage illustriert, darunter Stern, Spiegel und Harvard Business Manager. Er lebt mit seiner Familie in Hamburg.

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