SKG-Forum

 

 

Die Webseite für LeiterInnen von Schulkindergärten
von Marianne Broglie, Diplom-Sozialpädagogin
E-Mail an SKG-ForumHauptseiteWortsuche

 

Zurück

Veröffentlichung

Auf der Homepage der GEW, Stadtverband Köln, fand ich folgenden Artikel:

Innovative Schuleingangsphase
Offene Fragen zur Situation der Schulkindergärten in NRW
von Thomas Ridder-Padberg  (12/2002)

Immer wieder in der Diskussion, besonders nach Pisa, die Veränderung der Schuleingangsphase. Immer wieder die vielen offenen Fragen. Was z.B. geschieht mit den Schulkindergärten in NRW? Besser noch, was geschieht mit den Schülern und Schülerinnen, die bislang einen SKG besuch(t)en. Wird es flächendeckend integrative Eingangsstufen geben? Sind alle Sozialpädagoginnen bereit, in einer sog. integrativen Eingangsstufe zu arbeiten oder werden sie sogar verpflichtet? Werden die Kinder dort adäquat gefördert? Funktioniert eine Teamarbeit (Grundschullehrerin/Sozialpädagogin) an jeder Grundschule mit Schulkindergarten? Wie viele Sozialpädagoginnen müssen zusätzlich eingestellt werden, um dieses Vorhaben zu realisieren? Fragen über Fragen, die niemand vom MSWF so richtig beantworten will oder kann. Dabei wäre eine offene Aussprache hierüber dringend notwendig.

Die ministeriellen Ankündigungen zur Veränderung und Versorgung der Schuleingangsstufen in der Grundschule werden immer wieder vorgenommen. Leider gibt es keine konkrete inhaltliche Konzeption. Frau Behlers einzigen Äußerungen zur Grundschule im Amtsblatt vom 15.9.2002 zum Schuljahresbeginn lauteten: "Wir werden dazu u. a. in der Grundschule dem Lesen, dem Schreiben und Rechnen durch neue Grundschulrichtlinien noch deutlicher als bisher unsere Aufmerksamkeit schenken." Welche Aufmerksamkeit? Wann? Wo? - Nun jetzt liegt die Verantwortung und Neustrukturierung bei Frau Schäfer. Wir hoffen, dass sie der Grundschularbeit nicht nur Aufmerksamkeit sondern viele konkrete, vorhandene Konzepte und Vorhaben umsetzt und finanzieren lässt.

Wir sollten jedoch nicht zu lange auf Antworten und Entscheidungen der neuen Ministerin warten, sondern selbst initiativ werden, z. B. im Rahmen eines Postulats zur Umsetzung von integrativen Fördersystemen. Die Diskussion sollte gerade an der Basis, also an den Kölner Grundschulen intensiver geführt werden. Es gibt genügend Schulerfahrungen, wo bereits Modelle ausprobiert und diskutiert wurden, die als Grundlage dienen könnten. Wenn es flächendeckend gelingt, die Eingangsphase mehr mit den Kindergärten zu verzahnen, möglichst früh mit der sprachlichen Förderung im muttersprachlichen Bereich, der generellen Sprachförderung und beim Erlernen der Zweitsprache zu beginnen und dafür die Grundvoraussetzungen zu schaffen, dann wird es auch ein tragfähiges, solides und ausbaufähiges Fundament für die Grundschulen geben.

Ansonsten wird es auch künftig schwierig sein, Bildungsqualität im Primarbereich zu verbessern. Schulneulinge benötigen einen gelungenen Start und gleichwertige Bedingungen. Die Grundschulen in NRW können spürbar besser werden, wenn wir uns hartnäckig darum bemühen. In einem Zeitraum von 5 Jahren könnten Ergebnisse bewertet und Erfolge vermeldet werden. Dies erfordert jedoch personelle, strukturelle und finanzielle Veränderungen. Wenn die Form des Schulkindergartens zum Schuljahr 2004/05 - wie vom Ministerium angekündigt - verändert bzw. aufgehoben wird, sollte es eine wirklich gute Alternative geben. An den qualifizierten sozialpädagogischen Fachleuten wird es sicherlich nicht scheitern. Und wer immer noch nicht erkannt hat, dass die Grundschule ein Erziehungs- und Bildungsbereich ist, in dem viele Probleme von der Sozialpädagogik zu bearbeiten sind, sollte seinen gesamten pädagogischen background hinterfragen. Die Grundschularbeit wird sicherlich durch stärkere Fächerung nicht gefördert.

In eine differenzierte Eingangsdiagnostik, ganzheitliche vorschulische Förderung und in eine flexible Schuleingangsphase ist viel zu investieren. Dabei ist es nicht damit getan ein Rahmenkonzept "Bildung und Erziehung stärken" auf den Weg zu bringen und die Schulkindergärten abzuschaffen. Es reicht nicht aus von flächendeckender jahrgangsübergreifender Arbeit in den Stufen 1 und 2 zu sprechen, wenn lediglich einige wenige Schulversuche gestartet sind, die jetzt aber schon deutlich machen, dass diese Arbeit ohne zusätzliche Sozialpädagoginnen nicht zu leisten ist.

Ziel aller Interventionen und Diskussionen sollte sein, den Anfang der Schulzeit für jedes Kind pädagogisch so zu gestalten, dass es dort abgeholt wird, wo es vom Entwicklungsstand angekommen ist. Schon jetzt sind viele Kinder bei Beginn ihrer Schulpflicht in ihrer Entwicklung bis zu 3 Jahren auseinander. Erziehungs- und Bildungsarbeit muss ganzheitlich geleistet werden. Wir brauchen eindeutige, glaubwürdige und realistische Zusagen aus dem Ministerium, mit denen wir weiterarbeiten können.

 s.a. www.gew-koeln.de

Hermann Lange, Staatsrat in der Hamburger Schulbehörde in Die Zeit vom 6.12.2001:
"Wir investieren zu wenig Geld in die Grundschulen. Und lenken viel dorthin, wo die wichtigsten Weichen einer Bildungskarriere bereits gestellt sind: In die Oberstufe."

Zurück