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Veröffentlichung

Spielen in der Offenen Ganztagsgrundschule
Spielen im Entspannungskurs
Ein Bericht von Dorothee Heß

"Kinder, die den Nachmittag nicht zu Hause, sondern in ihrer Schule verbringen, brauchen dort einen Rhythmus, der neben Hausaufgabenhilfe auch frei gestaltbare Zeit zur Verfügung stellt. Zusätzlich benötigen sie Kursangebote zur Freizeitgestaltung." So lautet das Ergebnis einer Studie zum Thema Offene Ganztagsgrundschule, die das Bundesministerium für Bildung und Forschung in Auftrag gegeben hatte.

Mehrere Grundschulen in Würselen bei Aachen stellen für die frei gestaltbaren Zeiten in ihren Offenen Ganztagsgrundschulen Gesellschaftsspiele zur Verfügung. Aber es gibt auch Nachmittagskurse, in denen dieses Medium ganz gezielt seinen Einsatz findet, z.B. bei Kursen, in denen die Schüler lernen sollen, sich zu entspannen.

Doch wie bringt man nachmittags um 15.00 Uhr etwa 10 Kinder im Alter von 6 bis 10 Jahren dazu, sich zu entspannen? Sie sollen diese Kursstunde als für sie angenehm empfinden, sich nicht langweilen und nicht das Gefühl haben, unter einem Druck zu stehen. Eine schwierige Aufgabe, die sich Entspannungstrainerin Tanja Koch da gestellt hatte, als sie im letzten Jahr ihre Kurse für drei Offene Ganztagsgrundschulen vorbereitete.

Übliche Entspannungstrainings wie Fantasiereisen, bei denen die Kinder sich in eine erzählte Geschichte hineinversetzen und sie miterleben, waren als Anfangsübung problematisch. Denn einige Schüler kennen es gar nicht mehr, eine Geschichte erzählt oder vorgelesen zu bekommen, dabei ruhig zu sitzen oder zu liegen und sich auf das Gehörte einzulassen. Wie also sollte die Kurstrainerin die Kinder so weit bekommen, dass sie ruhig sitzen und bereit sind, sich freiwillig und gerne auf eine Sache zu konzentrieren?

Sie machte sich die eigenen Erfahrungen zunutze. Schon oft hatte sie bei einem interessanten Gesellschaftsspiel ihre Umwelt und Alltagsprobleme vergessen können. Die Konzentration auf das Spielgeschehen hatte gut getan und neben Unterhaltung auch ein besonderes Erleben geboten. Diese angenehmen Gefühle verbesserten die Laune und trugen damit zur Entspannung bei.

Auch bei den eigenen Söhnen hatte Tanja Koch oft festgestellt, dass Gesellschaftsspiele ihnen in unruhigen Phasen dabei halfen, sich zu entspannen. Das Material wie z.B. ein reich bebilderter Plan oder interessante Figuren, machen es als Hilfsmittel einfacher, sich in ein Geschehen hereinzufinden und auf etwas Neues einzulassen. Es sind Kristallisationspunkte, an denen sich der Geist und Körper erst einmal optisch und haptisch festhalten können, während sich eine erzählte Geschichte ausschließlich im Kopf abspielt. Spiele sollten also die Vorstufe für die weitergehenden Entspannungsübungen darstellen.

Sind die Schüler besonders aufgedreht, kommen zuerst Bewegungsspiele wie TWISTER, HULLABALLOO oder EIERTANZ aus dem Schrank. Als ruhige, die Konzentration fördernde Titel sind zu nennen DIFFERIX oder unterschiedliche optische oder akustische Memo-Varianten. Wichtig ist, dass es kurze Spiele sind, die schnell viele kleine Erfolgserlebnisse vermitteln.

Die Kinder sollen erkennen, dass sie sich gut fühlen, wenn sie eine Situation gemeistert haben. Es kommt hier nicht darauf an, besser zu sein als die Anderen. Deshalb sieht nur die Trainerin bei den Konzentrationsspielen die Ergebnisse und gibt dem Einzelnen den Hinweis, ob sie richtig oder falsch sind. Angepasst an ihr Alter und ihre Fähigkeiten erhalten die Schüler unterschiedliche Aufgaben, oder Gruppen werden so zusammengestellt, dass sich die Teilnehmer in etwa ebenbürtig sind.

Deshalb ist es wichtig, dass für den Kurs von einem Spieletitel mindestens zwei, besser drei Exemplare vorhanden sind. Die Zweitexemplare besorgt sich Tanja Koch im Moment aus dem Spielefundus der jeweiligen Schule oder leiht sie sich in ihrem Bekanntenkreis aus. Doch natürlich unterliegen sie im Schulalltag besonderen Strapazen. Ausschlaggebend dafür, dass noch nicht so viele Titel in das Kursprogramm Eingang gefunden haben, ist auch die Tatsache, dass jedes Spiel mehrfach vorhanden sein muss.

So lernen die Kinder in der Offenen Ganztagsgrundschule zuerst einmal spielen, was einige von zu Hause gar nicht kannten. Sie erfahren, dass es Spaß macht und erledigen auf Dauer spielerisch ihre Konzentrationsübungen. Sie kommen dabei zur Ruhe und können sich entspannen, ohne dass sie wissen, dass sie eine Übung absolvieren. Nach dieser spielerischen Vorbereitung, sind sie dann bereit für "echte" Entspannungstechniken wie Yoga oder progressive Muskelentspannung.

Angenehmer Nebeneffekt in Tanja Kochs Kursen ist, dass die Schüler sich untereinander durch die Gesellschaftsspiele besser kennen lernen. Die jeweilige Gruppe wächst dadurch schneller zusammen, soziale Fähigkeiten werden gelernt oder gar erst herausgebildet. Durch die gelungene Kombination von Spiel- und Entspannungselementen sind die Kurse beliebt und die Schüler lernen spielerisch "mit Leib und Seele".

Dies ist eine Veröffentlichung von Spiel des Jahres e.V.

Siehe auch:
www.spiel-des-jahres.com/cms/front_content.php?
idcatart=459&lang=1&client=1

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