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Keinen eigenen Fernsehapparat im Kinderzimmer

BLLV-Präsident Albin Dannhäuser:
"Vorschulkinder sehen täglich eineinviertel Stunden fern. Eltern sollten den Fernsehkonsum ihrer Kinder kritisch begleiten"

München - Vor schädlichen Auswirkungen auf die körperliche und seelische Gesundheit, die der steigende Medienkonsum von Kindern und Jugendliche mit sich bringt, hat der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), Albin Dannhäuser, gewarnt. "Kinder, die stundenlang vor dem Fernseher sitzen, sind in der Schule oft übermüdet und reagieren unkonzentriert oder aggressiv."

Junge Menschen brauchen Freizeitbeschäftigungen, bei denen Eigenaktivität und körperliche Bewegung nicht zu kurz kommen. Dannhäuser rät Eltern dringend davon ab, Kindern zum Weihnachtsfest eigene Fernsehgeräte zu schenken. "Die Gefahr ist groß, dass sich mit einem eigenen Gerät im Kinderzimmer der Fernsehkonsum drastisch erhöht und Kinder Sendungen konsumieren, die sie völlig überfordern."

Leider sitzen die meisten Kinder viel zu lange vor dem Fernseher: Drei- bis Fünfjährige verbringen durchschnittlich 76 Minuten pro Tag vor dem Bildschirm, Zehn- bis 13-Jährige 113 Minuten. Eine große Rolle spielt der Zugang zum Fernsehgerät. So sehen Kinder - vor allem Jungen - mit eigenem Apparat deutlich länger fern als Kinder, die kein Gerät besitzen. Inzwischen verfügt jedes dritte Kind im Alter von sechs bis 13 Jahren über ein eigenes Fernsehgerät, in den neuen Bundesländern sogar jedes zweite - Tendenz steigend, wie der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest ermittelt hat.

Vor diesem Hintergrund appelliert Dannhäuser an Eltern, den Fernsehkonsum ihrer Kinder "kritisch zu begleiten und zu lenken." Zu viel Fernsehkonsum führt dazu, dass sich Mädchen und Jungen zu "Sitzkindern" entwickeln, die sich kaum noch bewegen. Die Folgen sind oft Haltungsschäden, Übergewicht, seelische Unausgeglichenheit oder soziale Vereinsamung. Die in vielen Filmen gezeigten Gewalt- und Horrorszenen können Verhaltensauffälligkeiten auslösen und im schlimmsten Fall sogar die Hemmschwellen für Gewaltbereitschaft senken. Der BLLV-Präsident: "Die ständige Reizüberflutung führt letztlich auch zu Konzentrationsproblemen und nachlassender Leistungsfähigkeit in der Schule."

Mit Sorge stellen Lehrerinnen und Lehrer fest, dass viele Kinder vor allem nach Wochenenden oder Feiertagen völlig übermüdet und unkonzentriert im Klassenzimmer sitzen und dem Unterricht kaum folgen können." Die besorgniserregende Entwicklung wird von der Wissenschaft bestätigt: So sehen Kinder an Wochenenden überdurchschnittlich viel fern. Der Höhepunkt ihrer Fernsehnutzung liegt zwischen 18.45 und 20 Uhr. Freitags sitzt um 21.45 Uhr noch jedes fünfte Kind vor dem Fernseher, samstags um 22.45 Uhr sind es immerhin noch zehn Prozent aller Kinder.

Kleine Kinder sollten Interessantes und Wertvolles immer gemeinsam mit einem Erwachsenen anschauen", rät der BLLV-Präsident. "Es ist wichtig, dass sie sich im Anschluss an eine Sendung mit Erwachsenen über den Inhalt unterhalten können." Selbst in so genannten Kinderfilmen kann es zu Szenen kommen, die für kleine Zuschauer äußerst fragwürdig sein können. Der Tod eines Tieres in einem Fernsehfilm etwa kann für ein Kind trauriger und belastender sein als der Bericht über eine Naturkatastrophe mit zahlreichen Menschenopfern. "Die Anwesenheit eines Erwachsenen beim Fernsehen ist deshalb so wichtig, weil Kinder dann einen Ansprechpartner haben, der erklären und informieren, beruhigen und trösten kann. Als Erwachsener sollte man nichts beschönigen, sondern belastende Szenen und schlimme Nachrichten gemeinsam besprechen. Oft genügt schon aufmerksames Zuhören, wenn Kinder das Gesehene noch einmal erzählen. Kinder, die Fragen stellen, sollten keine ausweichenden, sondern altersgerechte Antworten erhalten", erklärte Dannhäuser.

"Wer zu vielem Fernsehkonsum vorbeugen will, sollte gemeinsam mit seinem Nachwuchs das Programmheft studieren, und vereinbaren, welche Sendungen angeschaut werden können und welche nicht", empfiehlt Dannhäuser. "Am wichtigsten ist jedoch das Vorbild der Eltern. Wenn diese auch bewusst und selektiv fernsehen und sie in der Freizeit viel mit ihren Kindern unternehmen, dann wird Fernsehen zur sinnvollen Auflockerung und Ergänzung."

Pressemitteilung d. Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V. vom 14.12.2005

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