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34.000 Kinder reiten den Delfin

Für rund 34.000 Kinder im Alter von vier Jahren beginnt in den nächsten Wochen eine zusätzliche Sprachförderung. Das sind rund 19 Prozent der insgesamt 180.000 Kinder, die im August 2009 - also in zwei Jahren - schulpflichtig werden. Dieses Ergebnis der erstmals mit Hilfe des Testverfahrens "Delfin4" durchgeführten Erhebung der Sprachentwicklung aller Kinder zwei Jahre vor ihrem Schulbeginn, gaben gestern (9. August 2007) Schulministerin Barbara Sommer und Kinder- und Jugendminister Armin Laschet in Düsseldorf bekannt.

Künftig werden nordrhein-westfälische Kinder bei Bedarf bereits zwei Jahre vor der Einschulung über die allgemeine sprachliche Förderung in Kindertageseinrichtungen hinaus durch zusätzliche Angebote in ihrer Sprachkompetenz und der Beherrschung der deutschen Sprache unterstützt. Ministerin Sommer und Minister Laschet unterstrichen die Bedeutung dieser gezielten und zusätzlichen Unterstützung für die Kinder und ihre Bildungschancen. Armin Laschet: "Alle Kinder sollen vom ersten Schultag an die Unterrichtssprache Deutsch altersgemäß beherrschen."

Der mit dem neuen Sprachtest festgestellte Anteil der Kinder mit zusätzlichem Sprachförderbedarf übersteige nennenswert den Vergleichswert, der bislang bei den Fünfjährigen im Rahmen der Schulanmeldung ohne ein einheitliches und standardisiertes Verfahren ermittelt wurde. In den Jahren 2004/2005 und 2005/2006 wurde bei der Überprüfung des Sprachstandes bei der Anmeldung zur Grundschule bei 15 Prozent aller Kinder in diesem Alter Sprachförderbedarf diagnostiziert. Ministerin Sommer: "Im Ergebnis des neuen Verfahrens erhalten jetzt mehr Kinder Sprachförderung, und sie erhalten sie früher und länger."

Überschritten wird der Durchschnittswert von 19 Prozent in Mittel- und Großstädten mit sozialen Brennpunkten. Dort haben bis zu einem Drittel der Kinder Sprachförderbedarf. Deutlich unterschritten wird der Durchschnitt dagegen in ländlichen Regionen. Hier hat nur etwa jedes zehnte Kind Sprachförderbedarf.

Die beteiligten Ministerien haben mit solchen Daten, die sich mit Erkenntnissen aus wissenschaftlichen Studien decken, gerechnet, so Sommer und Laschet. Entsprechend habe die Landesregierung bereits im laufenden Jahr Mittel in Höhe von 17 Millionen Euro für zusätzliche Sprachförderung bereitgestellt. Im kommenden Jahr sieht der Haushaltsentwurf rund 28 Millionen Euro vor. Minister Armin Laschet hatte schon zuvor immer wieder betont, dass die Landesregierung den notwendigen Sprachförderbedarf finanzieren werde.

Grundsätzlich werden die Sprachförderangebote in den Tageseinrichtungen durchgeführt. Ziel sei es zu erreichen, dass Kinder, wenn sie in die Schule kommen, die deutsche Sprache beherrschen, so dass sie am Unterricht gleichberechtigt teilnehmen können. Sprachförderung ist bereits jetzt Regelaufgabe eines Kindergartens (§ 22 SGB VIII). Zusätzlicher Sprachförderbedarf liegt demnach dann vor, wenn Kinder nicht über den altersgemäß notwendigen deutschen Sprachschatz verfügen und dieses Defizit so gravierend ist, dass dies nach fachlicher Einschätzung nicht im Rahmen der Alltagssituation abbaubar erscheint.

Kinder, die in den jetzt durchgeführten Verfahren die Notwendigkeit einer zusätzlichen Sprachförderung attestiert bekommen haben, sollen in kleinen Gruppen gefördert werden. Dafür stellt das Land 340 Euro pro Kind pro Jahr bereit. Die zusätzliche Sprachförderung soll 200 Stunden pro Jahr umfassen und von einer geeigneten Fachkraft (dies sind in der Regel besonders fortgebildete Erzieherinnen) durchgeführt werden. "Durch die Kleingruppenarbeit hat die Erzieherin die Möglichkeit, intensiver auf das einzelne Kind einzugehen und eine andere Lernatmosphäre zu schaffen", erklärte Minister Laschet.

Allen Eltern, bei deren Kindern besonderer Unterstützungsbedarf in ihrer sprachlichen Entwicklung festgestellt wurde und die noch keine Einrichtung besuchen, haben die Schulämter die Anmeldung in einem Kindergarten empfohlen. Werden Kinder trotz dieser Empfehlung nicht in einer Kindertageseinrichtung angemeldet, werden sie verpflichtend in besonderen Kursen sprachlich gefördert. Entsprechende Angebote werden in den Kindertageseinrichtungen, vor allem in den Familienzentren durchgeführt. Die verstärkte Sprachförderung im Rahmen des Kindergartenbesuchs hat nach den Sommerferien begonnen. Die besonderen Sprachkurse werden vor Ort in Abhängigkeit von der Entscheidung der Eltern nach dem jeweiligen Bedarf eingerichtet und sollen möglichst bereits nach den Herbstferien in allen Landesteilen angelaufen sein.

Quelle: Ministerium für Schule und Weiterbildung (MSW) und Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration (MGFFI) des Landes Nordrhein Westfalen

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