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Sprachstandsfeststellungen werden überarbeitet

Die nordrhein-westfälische Landesregierung hat nach Auswertung der Praxiserfahrungen der in diesem Jahr erstmals durchgeführten Sprachstandsfeststellungen bei Kindern eine Verbesserung der Testverfahren eingeleitet. "Wir wollen den Aufwand des Verfahrens verringern sowie die Kompetenz der Erzieherinnen und Erzieher stärker einbeziehen", erklärte Schulministerin Barbara Sommer.

Einer der Kernpunkte der Veränderung: Bisher wurden im Rahmen der ersten Stufe nur jene Kinder aus dem Verfahren genommen, die ganz offensichtlich über eine gute Sprachentwicklung und hinreichende Deutschkenntnisse verfügen. Alle anderen wurden einige Wochen später erneut mit einem vertiefenden Einzeltest untersucht. Künftig soll außerdem für einen Teil der Kinder ein weiterer Durchgang entfallen, bei denen bereits im Rahmen des Tests der ersten Stufe in den Kindertagesstätten deutlich wird, dass sie die deutsche Sprache offensichtlich nicht hinreichend beherrschen bzw. ihre Sprachentwicklung nicht altersgemäß ist. Voraussetzung ist allerdings, dass auch aus Sicht der Erzieherinnen und Erzieher der Kindertagesstätten die Notwendigkeit einer Sprachförderung erforderlich ist.

Seit Beginn des Schuljahres hatten das für die Sprachtests zuständige Schulministerium (MSW) und das für die anschließende Sprachförderung verantwortliche Familienministerium (MGFFI) zahlreiche Gespräche mit unterschiedlichen Beteiligten geführt - unter anderem mit den Trägern der Kindertageseinrichtungen, mit Lehrerverbänden, mit Lehrkräften, Erzieherinnen und Erziehern, mit der zuständigen Schulaufsicht und Vertretern der Kommunalverwaltung. Dabei wurde konstruktive Kritik an dem ersten Durchgang des Jahres 2007 geübt.

Als Konsequenz hat das Schulministerium Eckpunkte für ein verändertes Verfahren im Jahr 2008 vorgelegt, in denen die Landesregierung unter anderem zusagt, für 2008 die Informationen und Testunterlagen noch frühzeitiger sowohl den Schulen als auch den Kindertageseinrichtungen zur Verfügung zu stellen. Die Testinstrumente selbst, mit deren Entwicklung die Universität Dortmund beauftragt worden war, wurden zwischenzeitlich nochmals überarbeitet. Auch die so genannte Entscheidungsmatrix wird durch die Wissenschaftler überprüft und gegebenenfalls neu geeicht.

Künftig wird es im Rahmen der ersten Stufe drei Fallgruppen geben. Die größte Gruppe ist die jener Kinder, die danach aus dem Verfahren genommen werden, weil ihre Deutschkenntnisse hinreichend sind und ihre Sprachentwicklung altersgemäß ist. Daneben tritt als Neuerung die eingangs beschriebene Gruppe jener Kinder, die nach dem Testergebnis der ersten Stufe eine zusätzliche Sprachförderung benötigen. Da dieses Ergebnis aber im Rahmen einer möglicherweise ungewohnten Situation zustande kommt und Kinder dieser Altersgruppe verschiedenen Einflüssen unterliegen können, soll die Feststellung eines zusätzlichen Sprachförderbedarfs in der ersten Stufe nur unter der Voraussetzung erfolgen, dass dem auch die Erzieherinnen und Erzieher aus ihren bisherigen Erfahrungen mit dem Kind zustimmen. Anderenfalls werden diese Kinder - wie jene, bei denen der Test noch nicht eindeutig war - erneut einige Wochen später zu einer vertiefenden Untersuchung eingeladen. Im Übrigen steht es allen Eltern frei - unabhängig vom Ergebnis der ersten Stufe - ihr Kind an der zweiten Stufe teilnehmen zu lassen.

Das Instrument für die zweite Stufe (Besuch im Pfiffikus-Haus) wird ebenfalls auftragsgemäß von der Universität Dortmund überarbeitet. Dabei steht eine Verringerung der Aufgabenelemente im Mittelpunkt, mit dem Ziel, den Zeitaufwand insgesamt zu senken.

"Wir werden weiter an Verbesserungen des Verfahrens arbeiten", erklärte Barbara Sommer. "Ich bin aber überzeugt, dass wir mit den nunmehr beschlossenen Änderungen den Aufwand, der zweifellos angesichts dieser Aufgabe hoch bleibt, verringern können." Sommer betonte, dass nur über die Beteiligung der Schule ein landesweit einheitliches Verfahren gewährleistet werden könne. Darüber hinaus sei eine Beteiligung der Schulen auch aus rechtlichen Gründen erforderlich.

Die Rückmeldungen aus dem ersten Durchgang in diesem Jahr hätten gezeigt, dass die Kooperation zwischen den Grundschulen und Kindertageseinrichtungen überwiegend gut bis sehr gut funktioniert habe. "Das ist ein toller Nebeneffekt, der insbesondere der großen Bereitschaft auf beiden Seiten zu verdanken ist, im Interesse der Kinder zusammen zu arbeiten."

Die inzwischen weitgehend abgeschlossenen Tests haben ergeben, dass mehr als 17 Prozent der teilnehmenden Kinder eine zusätzliche Sprachförderung benötigen. Den Eltern wurde, falls ihre Kinder nicht bereits einen Kindergarten besuchen, nahegelegt, diese im Interesse einer besseren Förderung dort anzumelden. Die Kindertageseinrichtungen erhalten jährlich 340 Euro für jedes Kind, das eine über den normalen Bildungsauftrag des Kindergartens hinausgehende zusätzliche Sprachförderung benötigt.

Quelle: Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen (MSW)

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