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Veröffentlichung

Kinderschutz dauerhaft verbessern
heißt Prävention verstärken.

Der Tod der fünfjährigen Lea-Sophie und die Diskussion der vergangenen Monate um Kindesmisshandlung und Kindesvernachlässigung werfen die Frage auf: "Wie kann so etwas in Deutschland passieren und wie können solche Schicksale zukünftig verhindert werden? Wie kann ein engmaschiges Netz aufgebaut werden, damit möglichst kein Kind ohne Hilfe bleibt?

Diese und weitere Fragen zu beantworten gehört zu den Aufgaben des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen (NZFH), das Mitte dieses Jahres seine Arbeit aufgenommen hat. Es ist bis Ende 2010 eingerichtet und mit einem Finanzvolumen von rund drei Millionen Euro ausgestattet. Im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sollen die beiden Träger - die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und das Deutsche Jugendinstitut e.V. (DJI) - die verantwortlichen Einrichtungen aus der Kinder- und Jugendhilfe und des Gesundheitswesens in den Ländern und Kommunen dabei unterstützen, sich effektiver zu vernetzen. Dazu soll das NZFH nationale und internationale Erfahrungen auswerten und der Praxis zur Verfügung stellen.

Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit des NZFH liegt darin, gemeinsam mit den Akteuren im Feld Konzepte und Strategien zur Stärkung der Elternkompetenz und der frühzeitigen Erkennung von Risikosituationen zu entwickeln und den Kommunen anzubieten.

Erste Aktivitäten des NZFH
Ein funktionierendes Frühwarnsystem auf kommunaler Ebene von der Risikofrüherkennung bis hin zu wirksamen Hilfen ist Voraussetzung für die Prävention von Kindesvernachlässigung und Kindesmisshandlung. In verschiedenen Regionen Deutschlands existieren bereits Projekte und Modelle, bei denen eine wirkungsvolle Vernetzung zwischen dem Gesundheitswesen und der Kinder- und Jugendhilfe stattfindet. Dennoch sind noch viele Fragen nicht geklärt, wie beispielsweise:

Welches sind die wirksamsten Zugangswege zu hoch belasteten Familien?

Wie werden Familien mit Risikopotential zuverlässig erkannt?

Sind die Hilfen, die angeboten werden, auch die richtigen für diese Zielgruppe?

Welche Partner und welche Rahmenbedingungen brauchen funktionierende Netzwerke?

Was ist förderlich bzw. hinderlich bei der Kooperation zwischen Jugendhilfe und Gesundheitssystem?

Wo gibt es Lücken in der Hilfestruktur und auf der rechtlichen Ebene?

Um diese Fragen beantworten zu können hat das Nationale Zentrum die wissenschaftliche Begleitung von sieben Modellprojekten in verschiedenen Bundesländern auf den Weg gebracht. In den wissenschaftlichen Begleitungen dieser Projekte geht es um die Erprobung von Vernetzungsstrukturen der Gesundheits- und Jugendhilfe. Außerdem werden Praxisansätze wie z.B. der Einsatz von Familienhebammen, aufsuchende Arbeit mit Eltern oder die entwicklungspsychologische Beratung der Eltern erprobt und auf ihre Wirksamkeit hin überprüft. Zudem werden regionale Netzwerke im Hinblick auf ihre Effektivität untersucht. Das NZFH leitet aus den Ergebnissen dann Empfehlungen für die Praxis ab.

Internetplattform www.fruehehilfen.de
Als weitere Maßnahme hat das NZFH die Internetplattform www.fruehehilfen.de eingerichtet. Sie informiert über den jeweils aktuellen Stand der Modellprojekte, über Praxisentwicklungen, rechtliche Grundlagen und aktuelle Forschungsberichte. Damit stellt das NZFH Fachleuten grundlegende Informationen zum Themenbereich Frühe Hilfen zur Verfügung, die von allen interessierten Kommunen genutzt werden können.

Einrichtung eines wissenschaftlichen Beirats
Im November 2007 hat das NZFH einen wissenschaftlichen Beirat eingerichtet. 19 renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den unterschiedlichen Fachdisziplinen wie Kinder-, Familien-, Bindungs-, Gesundheits-, und Armutsforschung, Sozialpädiatrie, Familienrecht und Forschung zu häuslicher Gewalt beraten ab sofort das NZFH zu wissenschaftlichen Grundsatzfragen.

Workshop zur Praxisberatung
Viele Anfragen aus der Praxis sind bereits in den ersten Monaten beim Nationalen Zentrum Frühe Hilfen eingegangen. Sie zeigen den großen Bedarf an Informationen zum Aufbau von Hilfe- und sozialen Frühwarnsystemen vor Ort.
Deshalb führt das NZFH am 4. Dezember 2007 einen ersten Workshop zum Thema "Kooperation und Vernetzung im Bereich Früher Hilfen" durch. In diesem Workshop geht es vor allem um die beispielhafte Vorstellung bewährter Praxisprojekte, um die Ergebnisse eines Modellprogramms zur Installierung sozialer Frühwarnsysteme und um Fragen des Datenschutzes. Er richtet sich an Fachkräfte aus Jugendämtern und Gesundheitsdiensten, Familienberatungszentren, Geburtskliniken sowie Initiativen zur Etablierung Früher Hilfen. Der Workshop ist Auftakt einer Reihe von Veranstaltungen, die die Fachpraxis beim Auf- und Ausbau von Systemen Früher Hilfen unterstützen sollen.

BZgA - PressemitteilungPressemitteilung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) vom 30.11.2007

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