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Veröffentlichung

Wo Kinder leben,
beeinflusst ihre Gesundheits- und Entwicklungschancen

Studie der Bertelsmann Stiftung, der empirica AG
und des Robert Koch-Instituts

Problemviertel in bundesdeutschen Städten haben negative Auswirkungen auf die Entwicklungs- und Gesundheitschancen von Mädchen und Jungen - unabhängig davon, welcher sozialen Schicht sie angehören. Eine bessere Bildung und Gesundheit bekommen hingegen Kinder und Jugendliche, die in so genannten gehobenen Gegenden aufwachsen. Für Kinder aus problematischen sozialen Verhältnissen wirkt dieses Umfeld stabilisierend. Das ist das Ergebnis eines wissenschaftlichen Kooperationsprojektes der empirica AG, des Robert Koch-Instituts (RKI) und der Bertelsmann Stiftung. Grundlage dieser repräsentativen Studie "Gesundheit lernen: Wohnquartiere als Chance für Kinder" für das gesamte Bundesgebiet ist eine Auswertung von Datensätzen des Kinder- und Jugendgesundheitssurvey des RKI in Kombination mit Informationen zum Wohnquartier, also der Baustruktur, dem Mietpreisniveau und der Bevölkerungsdichte.

Die Studie belegt eindeutig, dass der Quartierseinfluss sogar die soziale Mittelschicht teilt. Es macht für das gesundheitliche Verhalten einen signifikanten Unterschied aus, ob Familien in der Stadt überwiegend in Einfamilienhäusern mit einem mittleren bis hohen lokalen Mietpreisniveau leben oder in städtischen Wohnnachbarschaften mit niedrigen Mieten und viel Geschosswohnungsbau. So greifen in den städtischen Problemvierteln schwangere Frauen öfter zur Zigarette und stillen ihr Kind seltener: Dies gilt insbesondere auch für Schwangere aus der sozialen Mittelschicht.

Auch für die Bewegungsentwicklung von Kindern ist mit zunehmendem Alter das nachbarschaftliche Umfeld entscheidender als der soziale Status. Mädchen und Jungen, die im Problemkiez aufwachsen, sind unabhängig von ihrem sozialen Hintergrund weniger - um knapp 12 Prozentpunkte - körperlich aktiv als ihre Altersgenossen in den gehobenen Stadtteilen. Bei den drei- bis sechsjährigen Kindern, die an Übergewicht leiden, verschwimmen in hochbesiedelten Quartieren mit günstigen Wohnungen die Unterschiede zwischen Mittel- und Unterschicht. Der Quartierseinfluss wirkt hier gleichermaßen belastend.

Zudem verbringen auch Kinder aus der sozialen Mittelschicht in preislich günstigen Wohngegenden überdurchschnittlich viel Zeit vor dem Fernseher (6,6 Prozent mehr) und dem Computer (11,6 Prozent mehr) als in den teureren städtischen Wohngegenden. Umgekehrt kann ein attraktiver Lebensraum helfen, schwierige familiäre Verhältnisse zu stabilisieren und Kindern neue Perspektiven bieten. "Kinder aus Problemvierteln wachsen ungesünder auf und haben von vornherein weniger Möglichkeiten, sich zu entwickeln und ihre Talente zu entfalten - das dürfen wir als Gesellschaft nicht akzeptieren", so Dr. Jörg Dräger, für Bildung zuständiges Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung.

Die Daten der Studie sind Teil des neuen "KECK-Atlas" (www.keck-atlas.de):
Mit "KECK - Kommunale Entwicklung - Chancen für Kinder" will die Bertelsmann Stiftung Kommunen bei der nachhaltigen Förderung von Kindern- und Jugendlichen unterstützen. Das neu entwickelte Instrument soll dazu dienen, Fakten für den Diskurs vor Ort zu liefern und ihn dadurch zu versachlichen. Politik, Verwaltung, Zivilgesellschaft und Bürger können so für das gesunde Aufwachsen der Kinder besser gemeinsam Sorge tragen.

"Transparenz schafft die Grundlage für verantwortungsbewusstes politisches Handeln vor Ort rund um die Kindesentwicklung", betont Dräger. "Um neue Konzepte, Strategien und Handlungsansätze für die Kommunen zu entwickeln, ist eine systematische Berichterstattung notwendig, die eine kleinräumige, quartiersbezogene Beobachtung ermöglicht und damit die Probleme und Ressourcen sichtbar macht", fügt er hinzu.

Hintergrundinformationen zur Plattform von KECK
"KECK" steht für "Kommunale Entwicklung - Chancen für Kinder". Der KECK-Atlas der Bertelsmann Stiftung gibt Kommunen ein Instrument an die Hand, das eine integrierte und sozialräumlich differenzierte Berichterstattung zur Entwicklung von Kindern erlaubt. Insgesamt stehen im KECK-Atlas in der ersten Phase 491 Indikatoren zur Auswahl. Sie veranschaulichen zunächst Informationen zu den Bildungs- und Entwicklungschancen von Kindern bis zur Ebene der Kreise. Ziel ist jedoch nicht die Positionsbestimmung in einer Rangliste, der KECK-Atlas dient stattdessen als lokales Aufklärungsinstrument für die politischen Entscheider und interessierten Bürger.

Quelle: Bertelsmann Stiftung, 18.10.2010

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