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Veröffentlichung

Bericht über die Podiumsdiskussion zum Thema
„Jungenarbeit präventiv! Vorbeugung von sexueller Gewalt an Jungen und von Jungen“
am 04. Mai 2011 im Evangelischen Forum in München

Ein Thema ohne Lobby

Wie kann es dazu kommen, dass Jungen anderen Jungen und Mädchen sexuelle Gewalt antun? Spätestens seit Bekanntwerden von Missbrauchsvorfällen in kirchlichen und schulischen Institutionen wird öffentlich nach Präventions­maßnahmen gefragt. Wie begegnet man aber einem Thema auf sachlicher Ebene, das viele Emotionen erregt und schnell den Ruf nach Wegsperren der Täter laut werden lässt? In einer Podiumsdiskussion mit Fachleuten aus Theorie und Praxis zeigte der Ernst Reinhardt Verlag in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Stadtakademie München und unterstützt von der Evangelischen Familien-Bildungsstätte und dem Münchner Informationszentrum für Männer, dass diese Herausforderung auf hohem Niveau gelingen kann.

Anlass für die Veranstaltung war das von Günther Schatz, Lehrender an der Katholischen Stiftungsfachhochschule München und Vorsitzender der Aktion Jugendschutz Bayern sowie Sozialpädagogin Christine Klein, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Fenestra, im Ernst Reinhardt Verlag herausgegebene Buch „Jungenarbeit präventiv!“. Auf dem Podium diskutierten die beiden Herausgeber mit dem Sozial- und Sexualpädagogen August Braun aus Kempten und dem Psychologen Michael Schwarz vom Kinderschutz-Zentrum München unter der Leitung von Michael Kaminski, Studienleiter an der Evangelischen Stadtakademie München.

Moderator Michael Kaminski betonte zu Beginn, wie wichtig es für ihn als Repräsentant einer kirchlichen Einrichtung sei, sich öffentlich mit der Frage nach der Prävention von sexuellen Übergriffen männlicher Jugendlicher auseinander zu setzen. Anschließend gab er den Teilnehmern Gelegenheit, eigene Erfahrungen und Thesen den ca. 50 interessierten Zuhörern vorzustellen. Christine Klein entwickelt bei der Forschungsstelle Fenestra seit 12 Jahren präventive Konzepte für Fachkräfte. Mit dem Buch „Jungenarbeit präventiv!“ sollte eine praxisnahe Handreichung für alle pädagogisch Tätigen geschaffen werden, mit der „Opfer- und Täterkarrieren“ verhindert werden sollen. Von seinen langjährigen Erfahrungen in der Jungenarbeit berichtete Schulleiter August Braun. Seiner Ansicht nach liegt das Problem vor allem an der mangelnden Begleitung der Heranwachsenden. Spezielle „Jungsgruppen“, die von einem Pädagogen über einen längeren Zeitraum begleitet würden, hätten sich als sehr effektiv erwiesen. In Kindergärten und Grundschulen fehle es an männlichen Pädagogen, die als Bezugspersonen und Vorbilder der Jungen fungieren könnten. Wenn es darum gehe, Jungen aufzuklären oder über sexuelle Themen Auskunft zu geben, so Braun, seien Männer als Ansprechpartner sehr wichtig.

Psychologe Michael Schwarz, der seit 11 Jahren für das Kinderschutz-Zentrum München aktiv ist, machte deutlich, welchen Stellenwert die Arbeit mit den Tätern einnimmt. Denn, so betonte er, „Täterarbeit ist gleichzeitig Opferschutz“. Es sei niemandem damit geholfen, die übergriffigen Jungen einfach wegzusperren oder gar an Rache zu denken. Vielmehr müsse es Ziel sein, die Täter mit ihrem Verhalten zu konfrontieren, um eine Verhaltensänderung zu erzeugen. Wesentlichen Anteil daran hätten die jeweiligen Familien, „die auch in die Pflicht genommen werden müssten“. Günther Schatz betonte, dass die spezielle Therapie mit sexuell übergriffigen Jungen so gestaltet sein müsse, dass dadurch echte Freiwilligkeit und Einsicht erzeugt werde. Leider würde über Therapieerfolge viel zu wenig berichtet.

Fazit nach einem gelungenen Abend: Die präventive Arbeit mit Jungen ist zukunftsweisend und sollte künftig intensiviert werden.

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